Ein Pferd besitzen kann wahrscheinlich - jeder, 

ein Pferd lieben - viele,

ein Pferd verstehen - wenige.

Wir sollten Pferde lieben und verstehen, 

bevor wir sie besitzen...

 

 

Wenn Ihr mit uns Zeit verbringen wollt, ganz egal, ob auf unserem Rücken oder neben uns, solltet Ihr Euch mit unseren Grundbedürfnissen auseinandersetzen, damit zwischen uns keine Missverständnisse entstehen. 

 

Wir wohnen in einer sogenannten Gruppenauslaufhaltung. Wie in der Natur auch, können wir uns den ganzen Tag bewegen, haben immer frische Luft, viel Licht und den für uns Pferde ganz wichtigen Sozialkontakt zu unseren Herdenmitgliedern, denn wir sind Herdentiere. Wir brauchen unsere Artgenossen wie die Luft zum Atmen, wir leben in der freien Natur immer in einer Gemeinschaft mit anderen Pferden, nie wird man uns alleine antreffen. Ob ranghoch oder rangniedrig, jedes einzelne Herdenmitglied hat seine eigene Aufgabe und trägt damit zum Schutz und Zusammenhalt der Gemeinschaft bei.

 

 

Unser Körper, unser Bewegungsapperat (Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln) und unser Herz-Kreislauf-System ist auf nahezu permanente Bewegung ausgelegt. In der Natur bewegen wir uns ca. 18 Std. pro Tag. Beim Grasen in gemächlichem Schritt, auf der Suche nach neuen Futter- und Wasserstellen im ausdauernden Trab und auf der Flucht im rasenden Galopp. Obwohl wir nun vermehrt als Freizeitpartner eingesetzt werden, hat sich unser Körper über die Jahrhunderte nicht geändert. Wir sind und bleiben Lauftiere und Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, daß unser Körper nicht gesund bleiben kann, wenn wir uns nicht genügend bewegen dürfen. Würde z.B. ein Mensch 18 Std. am Tag laufen müssen, würde er auch krank werden und verschleißen, Euer Körper ist auf mässige Bewegung ausgelegt. Im Winter bekommen wir ein sehr dickes Winterfell, daß uns ausreichend vor Kälte, Wind und Nässe schützt, wir frieren übrigens erst ab -30 Grad. Naht der Sommer, legen wir dieses wieder ab, damit wir nicht unnötig schwitzen müssen. Der Wechsel unseres Fellkleides im Frühjahr und im Herbst, der sog. Fellwechsel, kostet uns viel Kraft und Energie und Ihr werdet sicherlich schon festgestellt haben, dass wir in dieser Zeit manches Mal müde sind. Wir freuen uns, wenn Ihr das bemerkt und uns an diesen Tagen nicht allzu viel abverlangt. Unsere Lungen bleiben gesund, egal wie kalt es ist, krank macht diese nur die unnatürliche Wärme eines Stalles, in dem stets Fenster und Türen geschlossen sind. Wir sind Tiere, wir kommen aus der Natur, dort ist es warm wenn Sommer ist und kalt wenn Winter ist, wir brauchen keine Räume, in denen wir uns aufwärmen können, alles was wir brauchen hat uns die Natur mitgegeben ! 

 

 

Wir würden uns in der freien Natur niemals alleine oder mit unserer Herde in einer Höhle verkriechen wenn es z.B. regnet, heiß ist oder stürmt, wir würden einen Baum o.ä. wählen. Denn wir sind auch Beutetiere, wir könnten im Notfall nicht flüchten wenn Gefahr droht, jedes Raubtier hätte größte Freude daran, uns in der Höhle anzutreffen. Denn anders als viele Menschen glauben, sind Pferde von Natur aus Steppentierekeine Höhlenbewohner wie ihr Menschen. Hat ein Mensch aus unterschiedlichsten Gründen Angst, so flüchtet er sich meist in einen geschlossenen Raum - denn da fühlt er sich sicher. Wir Pferde sind Fluchttiere, das heißt, bei drohender Gefahr gilt unser erster Gedanke der Flucht. Nie würden wir dafür einen geschlossenen Raum wählen, wir möchten laufen, bis wir uns wieder sicher fühlen. So könnt Ihr nun bestimmt nachvollziehen, dass wir uns nicht wohlfühlen, wenn man uns in einen geschlossenen Stall sperrt. Dies bereitet uns grosse Sorgen, macht uns argen Stress und daraus resultierend bekommen wir früher oder später gesundheitliche Probleme. Der Stress, eingesperrt zu sein, schlägt uns gern auf den Magen, und unser Bewegungsapperat wird vom vielen stehen krank werden. 

 

Wir haben einen ausgeprägten arttypisch angeborenen Fluchtinstinkt, der uns in der Natur das Leben rettet. Dieser beherrscht uns auch nach vielen hundert Jahren Pferdezucht nach wie vor, ist in unserer Genetik fest verankert - wir müssen zu jeder Zeit flüchten können ! Wir haben sehr feine Sinnesorgane und reagieren sofort auf jede Bewegung, fremde Geräusche oder Gerüche. Vor allem unbekanntem können wir erschrecken und mit Flucht reagieren. Ihr habt unseren Fluchtinstinkt bestimmt auch schon viele Male bemerkt, ob im Umgang mit uns oder beim Reiten, erschrecken wir uns oder droht in unseren Augen Gefahr, fliehen wir umgehend. Manchmal nur ein paar Meter, weil wir bemerken, daß es doch keine lebensbedrohliche Situation für uns darstellt, vielleicht war es nur ein Zweig den der Wind bewegt hat. Ihr wißt das vielleicht, aber wir könnten vermuten, daß dort ein Raubtier auf der Lauer liegt, sicher ist sicher, unserer Auffassung nach geht es um unser Leben. Teilweise versteht ihr uns nicht, weil es sich eurer Ansicht nach um eine "Kleinigkeit" handelt, aber wären wir in der Natur einmal unaufmerksam, würden eine "Kleinigkeit" nicht ernst nehmen oder würden eine Gefahr, z.B. ein Raubtier, nicht bemerken, würden wir das mit großer Wahrscheinlichkeit mit unserem Leben bezahlen müssen. 

 

 

 

 

Bei uns am Birkenhof teilen sich zwischen 2 und 8 Ponys und/oder Pferde einen Stall samt großem Auslauf, ein sogenannter Paddock, es gibt keine Stalltüren, wir können raus und rein wann immer wir wollen, Sommer wie Winter. Anders als in der endlosen Weite der Natur haben wir natürlich in allen artgerechten Haltungsformen wie Offenstall, Laufstall und Gruppenauslaufhaltung, nur begrenzt Platz. Deshalb ist es sehr wichtig, daß sich die einzelnen Pferdchen einer Gruppe gut verstehen und ranggleiche Herden (auch schon 2 Pferde sind eine Herde) gebildet werden, so daß auch jedes seinen Bedürfnissen nachkommen kann, genug zu fressen bekommt und sich zum ausruhen und schlafen auch hinlegen kann. Würde man uns hier wahllos, ohne Beachtung der Rangfolge die es in jeder Herde gibt, zusammenstellen, hätten die ranghohen Pferde dicke Bäuche und wären schön ausgeruht, während die rangniedrigen von uns sich nicht satt essen könnten, wir hätten permanenten Streß in der Herde und könnten kein Auge beruhigt zumachen. 

 

Auf unsere riesengroßen Koppeln gehen wir alle zusammen, dort haben wir genug Platz. Von Mai - Oktober dürfen wir sogar die ganze Nacht zusammen draussen auf den Koppeln verbringen. Weil wir alle Ponys sind, bekommen wir jeden Tag eine ausreichende Portion Wiese abgesteckt, damit wir uns nicht am leckeren Gras überfressen und dadurch krank werden. Dies passiert bei Ponys und auch Pferden nicht selten ! Im Gras lauert zu bestimmten Jahreszeiten eine Menge Zucker, wenn wir zuviel davon erwischen würden, bekäme der ein oder andere von uns mit Sicherheit Hufrehe und diese Krankheit geht mitunter sehr böse aus.

 

Da unsere Haltungsform den natürlichen Bedürfnissen von uns Pferden und Ponys angepaßt ist, erfreuen wir uns bester Gesundheit ! Selten ist einer von uns krank, Verletzungen, Koliken und Infektionen sind für uns nahezu Fremdwörter. Wir müssen auch alle keine Hufeisen tragen, da wir harte und weiche, feuchte und trockene Böden und genug Bewegung haben, alles, was ein Huf braucht, um gesund zu bleiben !

 

Da wir also rundum zufrieden, gesund, ausgeruht, ausgelastet durch ausreichende Bewegung sind und unsere Herdenmitglieder bei uns haben, weil wir alles haben um uns wohlzufühlen, können wir Euch im Umgang mit uns und im Reitunterricht freundlich, motiviert und konzentriert gegenübertreten. Viele unserer Besucher sind fasziniert von der Ruhe, die wir ausstrahlen. Wir sind einfach glücklich !